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Kontrollparameter

Das Bild eines Reglers, an dem gedreht wird: Der Kontrollparameter ist nicht das Ergebnis selbst, sondern eine Bedingung, die bestimmte Ergebnisse möglich macht.

Ein Kontrollparameter bestimmt, welches dynamische Muster ein System annimmt. Er ist nicht selbst das Muster; wohl aber kann eine Veränderung des Kontrollparameters das eine Muster in das andere umschlagen lassen, wenn eine kritische Schwelle überschritten wird.

In thermodynamisch offenen Systemen bezieht sich der Kontrollparameter meist auf die Zufuhr von Energie: das Maß, in dem ein System aktiviert oder, psychologisch gesprochen, motiviert wird. In allgemeinerem Sinn beeinflusst er die Wechselwirkung zwischen den Teilen eines Systems. Eine kleine Veränderung hat oft wenig Wirkung, doch jenseits eines bestimmten Punktes kann eine kleine weitere Veränderung das System recht plötzlich in einen neuen Zustand bringen. Ein vertrautes Beispiel ist Wasser, das bei steigender Temperatur lange flüssig bleibt und bei hundert Grad (auf Meereshöhe) in Dampf übergeht. Die Temperatur ist hier der Kontrollparameter, der Aggregatzustand das Muster.

Warum wir es in der psychischen Gesundheitsversorgung vorsichtig formulieren

In psychologischen Systemen haben wir, anders als in der Physik, selten direkten Zugang zu den Kontrollparametern. Wir können sie nicht an einem Regler einstellen. Deshalb spricht man im klinischen Kontext oft lieber von einem Ordnungsübergang als von einem Phasenübergang im strengen Sinn. Das Phänomen scheint verwandt, doch diese Formulierung erkennt an, dass wir den zugrunde liegenden Parameter meist nicht in der Hand haben.

Dennoch ist der Begriff auch hier erhellend, weil er die Aufmerksamkeit vom Ergebnis auf die Bedingungen verlagert. Faktoren, die in einer Behandlung als Kontrollparameter wirken könnten, etwa Sicherheit, Bedeutung, Aktivierung und die Qualität der Arbeitsbeziehung, lassen sich nicht direkt auf einen gewünschten Endzustand hin steuern. Wohl aber lassen sie sich so beeinflussen, dass eine Neuordnung wahrscheinlicher wird. Unserem Eindruck nach ist dies eine der brauchbarsten Einsichten, die die Komplexitätswissenschaft der Praxis zu bieten hat.